„Es liegt am Selbstvertrauen. Die ganze Haltung ändert sich.“

Reta Duverney-Sak ist Karate- und Krav-Maga-Instruktorin beim Budo Center in Fribourg. Von 2000 bis 2007 war sie Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft. Sie gewann dreimal die Schweizermeisterschaft in der Einzelkategorie und dreimal in der Teamkategorie Kumite. Auch international verdiente sie sich diverse Medaillen, unter anderem in der Europa- und Weltmeisterschaft. 

Warum hast du mit Kampfsport begonnen?

Ich war sehr schüchtern. Als mein jüngerer Bruder mit Taekwondo begann, entschieden meine Eltern, dass ich mitgehen soll. Damit ich mich besser verteidigen könnte und selbstsicherer würde. Was blieb mir da anderes übrig.

Und dann hast du Gefallen daran gefunden?

Nein. Nach einem Jahr war ich sehr erfinderisch mit Ausreden, um mich vor dem Training zu drücken.  Meine Eltern sahen es dann ein. Ich musste nicht mehr gehen. Aber mein Bruder machte Fortschritte und da wurde ich neidisch. Ich begann nochmals mit Taekwondo, aber diesmal, weil ich es wollte.  Nun machte ich wirklich Fortschritte.

Wieso hast du dann zu Karate gewechselt?

Wir zogen um in ein kleines Dorf. Dort wurde kein Taekwondo unterrichtet, dafür Karate. Für mich war es die ideale Sportart.

Inwiefern?

Ich war nicht sehr sportlich und der Kampfsport half mir, Selbstvertrauen aufzubauen. Ich konnte für mich alleine trainieren und trotzdem in einer Gruppe. Ein Teamsport kannst du ja vergessen, wenn du zwei linke Hände und Füsse hast.

Zwei linke Hände und Füsse? Du warst mehrfach Karate Schweizermeistern und hast auch in der Europa- und Weltmeisterschaft Medaillen geholt!

Ja, jetzt ist es anders. – lacht –  Aber in der Schule, wenn im Sportunterricht Gruppen gewählt wurden, das hasste ich. Ich war immer die Letzte.

Jetzt gehörst du zu den Besten. Wie hast du das geschafft?

Es liegt am Selbstvertrauen. Die ganze Haltung ändert sich. Auf dieser Basis kann man aufbauen. Das sehe ich oft bei den Kindern.  Es ist mir schon öfters passiert, dass ein Kind neu angefangen hat und nach drei Monaten kommt die Mutter und sagt: „Oh, ich bin so froh, dass mein Kind Karate macht. Unglaublich, in dieser kurzen Zeit. Es traut sich schon viel mehr zu, auch die Noten sind deutlich besser geworden.“ Dann weiss ich wieder, weshalb ich Karate unterrichte. Es ist schön die Fortschritte zu sehen. Und die neue Haltung wirkt sich auf das ganze Leben aus.

Du unterrichtest auch Krav Maga. Was ist der Unterschied zum Karate?

Karate ist eine Kampfkunst. Früher war es auch eine Selbstverteidigung, aber nun entwickelt es sich eher Richtung Wettkampf. Da gibt es zwangsläufig mehr Regeln. Viele ursprüngliche Karatetechniken sind im Wettkampf verboten. Man kann schliesslich nicht einfach dem anderen das Bein brechen. Dadurch hat sich Karate etwas von der Selbstverteidigung entfernt. Im Krav Maga ist die Selbstverteidigung präsenter und auf die heutige Situation ausgerichtet. Zudem ist es zurzeit in Mode. So wie früher das Kickboxen. Ein Unterschied ist auch, dass es keine Katas gibt. Das ist ein Vorteil.

Warum denn das?

Mit unserem Lebensstil, all den Verpflichtungen und Alternativen, ist es für Erwachsene kaum mehr möglich, regelmässig zu trainieren. Und so wird es schwierig, längere Abläufe wie die Katas zu lernen. Krav Maga ist mehr auf Kampfsituationen ausgerichtet. Da spielt es keine Rolle, wenn man nicht regelmässig am Training teilnehmen kann.

Wenn du eine weitere Kampfsportart lernen würdest, welche wäre es?

Sicher nicht Judo, ich falle nicht gerne. Mir ist es lieber, wenn ich meine beiden Füsse am Boden habe. Tai Chi wäre mir vermutlich etwas zu langsam und im Boxen würden mir die Fussschläge fehlen. Vielleicht Kickboxing.

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